Tipps für Eltern: Das Gespräch mit den Kindern fördern
Den Alltag gemeinsam reflektieren
Es ist hilfreich, Kinder dazu anzuregen, sich an das zu erinnern, was sie in der Schule gemacht haben, an Zeiten, in denen sie von den Eltern getrennt waren, oder an besondere Ausflüge, die sie unternommen haben. Wenn Kinder keine konkreten Antworten geben können, ist es sinnvoll, spezifischere Fragen zu stellen. Es geht hierbei nicht nur um das bloße Abfragen von Fakten, sondern auch um die Gefühle und Empfindungen, die mit den Erlebnissen verbunden sind. So kann beispielsweise gefragt werden, wie sich das Kind dabei gefühlt hat oder was es dabei gedacht hat.
Aktives Zuhören und Nachfragen
Es ist wichtig, auf das zu hören, was die Kinder erzählen und gegebenenfalls Nachfragen zu stellen. Dabei sollte jedoch vermieden werden, die Kinder in ihren Aussagen zu korrigieren oder zu bewerten. Stattdessen sollte das Interesse an ihren Erlebnissen und Gedanken gezeigt und ihre Perspektive respektiert werden. Solche Gespräche können jederzeit geführt werden, etwa an der Bushaltestelle, im Wartezimmer oder während der Autofahrt.
Narrative Fähigkeiten fördern durch erinnerungsbasierte Gespräche
Die Frage nach dem Schultag
Fast jeder Elternteil hat schon einmal die Frage gestellt: „Was hast du heute in der Schule gemacht?“ und als Antwort ein einfaches „Nichts“ erhalten. Wie es weitergeht, hängt von vielen Faktoren ab, vor allem aber von den Eltern selbst. Manche Eltern denken, dass ihr Kind einfach nicht über seinen Tag sprechen möchte und wechseln das Thema. Andere Eltern hingegen fordern ihr Kind heraus, was in der Regel auch nicht erfolgreicher ist, um detaillierte Beschreibungen der Erlebnisse des Kindes zu erhalten.
Erfolgreiche Strategien zur Förderung der Kommunikation
Studien haben gezeigt, dass die erfolgreichste Strategie der Eltern darin besteht, spezifische Folgefragen zu stellen, wie zum Beispiel „Was hast du in der Pause gespielt?“ oder „Welche Geschichten hat der Lehrer dir vorgelesen?“. Kinder von Eltern, die viele Fragen zu einem bestimmten Thema stellen, entwickeln mit der Zeit bessere erzählerische Fähigkeiten. Sie erzählen ausführlichere Geschichten, die mehr Schlüsselelemente enthalten, wie zum Beispiel Hintergrundinformationen und Details darüber, wie Situationen gelöst wurden. Solche Eltern werden als „Themenverlängerer“ bezeichnet.
Die Vorteile von erinnerungsbasierten Gesprächen
Förderung der Sprach- und Sozioemotionalen Entwicklung
Erinnerungsbasierte Gespräche können die sprachlichen und literarischen Fähigkeiten der Kinder unterstützen. Dazu gehören narrative Fähigkeiten, das Verständnis von Vokabeln und die phonologische Bewusstheit. Auch die sozioemotionale Entwicklung der Kinder kann dadurch gefördert werden. So kann zum Beispiel die Angst und der Rückzug des Kindes reduziert, das hilfreiche Verhalten erhöht und das Verständnis und die Kontrolle von negativen Emotionen verbessert werden. Auch die autobiographische Gedächtnisleistung, also die Erinnerung an das eigene Leben, kann durch erinnerungsbasierte Gespräche verbessert werden.
Die Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Entwicklung
Erinnerungsbasierte Gespräche können die Kinder in vielerlei Hinsicht fördern. Forschungen haben gezeigt, dass neben den Verbesserungen im Wortschatz und in der Erzählstruktur, auch die phonologische Bewusstheit der Kinder gesteigert wird, was für das Erlernen des Lesens von großer Bedeutung ist. Darüber hinaus können solche Gespräche auch die sozioemotionale Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen. Sie können dazu beitragen, dass die Kinder weniger Verhaltensauffälligkeiten zeigen und ihre sozialen Fähigkeiten verbessern. Sie lernen, ihre negativen Emotionen zu verstehen und zu regulieren, und ihre Erinnerung an ihr eigenes Leben wird kohärenter.
Eltern das erinnerungsbasierte Gespräch beibringen
Die Bedeutung des erinnerungsbasierten Gesprächs
Viele Familien haben bereits von der Erkenntnis profitiert, wie wichtig erinnerungsbasierte Gespräche sind. Kinder, die in Armut leben, profitieren besonders davon, denn erinnerungsbasierte Gespräche kosten nichts, erfordern keine besonderen Fähigkeiten oder ein hohes Bildungsniveau der Eltern und machen Spaß. Eltern aus Neuseeland mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund haben von dieser Art der Kommunikation profitiert.
Die Anwendung von erinnerungsbasierten Gesprächen
Darüber hinaus wurde erinnerungsbasiertes Gespräch auch erfolgreich bei Eltern von Jugendlichen im Autismus-Spektrum angewendet. Diese Eltern hatten bisher nicht erkannt, wie wichtig erinnerungsbasierte Gespräche sind, aber durch die Anwendung dieser Technik konnten sie ihre Gespräche über die Vergangenheit mit ihren jugendlichen Kindern erweitern. Auch Kinder, die von ihren Müttern misshandelt wurden, können davon profitieren. Wenn diese Mütter lernen, mit ihren Kindern erinnerungsbasiert zu sprechen, können ihre Kinder letztendlich eine bessere physiologische Regulation entwickeln.
Kulturelle Unterschiede in erinnerungsbasierten Gesprächen
Unterschiedliche kulturelle Ansätze
Obwohl erinnerungsbasierte Gespräche in verschiedenen Kulturen erfolgreich angewendet wurden, gibt es doch kulturelle Unterschiede in der Art und Weise, wie Eltern und Kinder über die Vergangenheit sprechen. Viele asiatische Kulturen legen beispielsweise weniger Wert auf ausführliche Gespräche über individuelle Erfahrungen aus der Vergangenheit. Insbesondere viele japanische Eltern halten solche ausführlichen Gespräche für unangemessen. Kulturelle Unterschiede in erinnerungsbasierten Gesprächen wurden auch in westeuropäischen Kulturen wie Deutschland, Schweden und Estland festgestellt.
Wie man mit Kindern erinnerungsbasiert spricht
Förderung der Entwicklung durch erinnerungsbasierte Gespräche
Eltern sollten verstehen, dass erinnerungsbasierte Gespräche mit ihren Kindern in verschiedenen Altersstufen die sprachliche, kognitive, emotionale und akademische Entwicklung der Kinder fördern können. Dabei ist es wichtig, die Sichtweise der Kinder zu akzeptieren, auch wenn sie von der eigenen abweicht. Je mehr die Eltern mit ihren Kindern über Erinnerungen sprechen, desto besser werden die Kinder darin und desto mehr wird ihre Entwicklung in vielen Bereichen gefördert.
Fazit
Erinnerungsbasierte Gespräche sind ein effektives Werkzeug zur Förderung der Entwicklung von Kindern in verschiedenen Bereichen. Sie unterstützen nicht nur die sprachlichen und literarischen Fähigkeiten der Kinder, sondern auch ihre sozioemotionale Entwicklung. Durch das Stellen von spezifischen Fragen und das aktive Zuhören können Eltern die erzählerischen Fähigkeiten ihrer Kinder stärken und ihre Perspektive respektieren. Es ist wichtig, dass Eltern die Bedeutung dieser Gespräche erkennen und sie in den Alltag integrieren.

